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Written by Gil Yaron   
Wednesday, 21 July 2010

Vergewaltigung oder Rassismus?
 

Es begann wie ein billiger Liebesroman. Sabbar Kaschur, heute ein 30 Jahre alter Familienvater aus Ostjerusalem, kam gerade aus dem Supermarkt, als eine wenige Jahre jüngere Dame ihn ansprach: „Sie interessierte sich für mein Motorrad, wir kamen ins Gespräch“, sagte Kaschur der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Die beiden waren angezogen, schon kurze Zeit später hatten sie in einem nahen Wohnhaus Sex, im beiderseitigen Einverständnis. Danach machte Kaschur sich aus dem Staub. Doch damit war die Affäre nicht beendet: Kaschur hatte sich als lediger Jude ausgegeben, auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung. Als die Dame jedoch herausfand, dass ihr One-Night-Stand stattdessen ein verheirateter Araber ist, erstattete sie Anzeige. Aus dem Groschenroman wurde ein Krimi, der in Israel eine heftige öffentliche Debatte ausgelöst hat.

In Israel ist es strafbar, sich „unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und Identität“ Sex zu erschleichen. In einem solchen Fall wird der Lügner als Vergewaltiger behandelt. So in dem Fall Kaschur: Nachdem zwei Jahren Hausarrest verdonnerte ihn ein Gericht in Jerusalem jetzt zu 18 Monaten Haft und rund 2000 Euro Schmerzensgeld. Es sei die Aufgabe des Staates, Opfer vor „raffinierten Kriminellen, die Unschuldige mit Schmeicheleien auf Abwege führen“, zu verteidigen, hieß es im Urteil. Die Verteidigung will Berufung einlegen, Kaschur vermutet hinter dem harten Urteil Rassismus: „Wäre ich Jude, wäre ich nicht einmal von der Polizei vorgeladen worden“, sagte er. Arabische Medien nahmen den Tenor sofort auf und erklärten, Kaschur sei nur verurteilt worden, weil er Araber sei. Der Rechtsanwältin Elkana Leist vom Jerusalemer Amt der Pflichtverteidiger ging das Urteil zu weit: „Wir können nicht jedes Mal einen Mann der Vergewaltigung bezichtigen, wenn er lügt, um mit einer Frau ins Bett zu gehen. Soll man jetzt Männer anklagen, die ihrer Frau vorgaukeln, dass sie sie lieben, um mit ihr zu schlafen?“

Einat Rubin, Sprecherin der Vereinigung der „Hilfszentren für Opfer von Sexverbrechen“, unterstützt das Urteil: „Die Entscheidung war richtig.“ Es sei nicht das erste Mal, dass ein Mann in Israel laut diesem Gesetz verurteilt wurde. „Das Strafmaß ist eher leicht“, sagte Rubin unserer Zeitung. Mit Rassismus habe das nichts zu tun. Tatsächlich wurde ein jüdischer Israeli vor kurzem verurteilt, weil er sich als ein reicher Pilot ausgegeben hatte. Ein anderer erhielt 2008 eine schwere Haftstrafe, weil er sich als Beamter im Bauministerium ausgegeben und zig Frauen versprochen hatte, ihnen für Sex bessere Wohnungen zu besorgen. Das Gericht befand, der Tatbestand liege vor, wenn Sachverhalte verfälscht würden, um eine „vernünftige Frau“ zum Geschlechtsverkehr zu überreden, den sie abgelehnt hätte, falls sie die Wahrheit wüsste. Auch bei einem berühmten israelischen Regisseur kam das Gesetz zur Anwendung: Er hatte für seine Studentinnen fiktive Sexszenen geschrieben und sie gemeinsam „einstudiert“. Rubin konnte nicht sagen, wo die Grenze verlaufe: „Jeder sollte frei über seinen Körper verfügen und davor geschützt werden, dieses Recht durch Manipulation aufzugeben“, sagte Rubin.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable