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Der nächste Vortrag
Termin: Ende Mai/Anfang Juni wieder auf Vortragsreise in Deutschland und der Schweiz
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Written by Gil Yaron   
Wednesday, 01 September 2010

Attentat auf Friedensprozess
 

Kurz vor halb acht abends klingelte der Piepser von Momy Even-Haim: Für den Siedler, der seit zwölf Jahren im Westjordanland für Einsätzen auf Krankenwagen volontiert, war es nichts Außergewöhnliches. Unweit von seinem Haus hatte ein Attentat stattgefunden, Even-Haim fuhr los. Wiederholt versuchte er, von unterwegs seine Frau anzurufen, um ihr Bescheid zu geben, aber sie antwortete nicht. Als Even-Haim Dienstagabend den Tatort erreichte, erfuhr er den Grund für die Funkstille seiner 37 Jahre alten Kochava: Sie befand sich unter den vier Israelis, die im schwersten Attentat seit rund zwei Jahren unweit von Hebron von palästinensischen Extremisten getötet worden waren. „Zuerst verstanden wir nicht, warum er so erregt war“, sagte ein Sanitäter, der beim Einsatz dabei war. „Schließlich haben wir doch schon oft fürchterliche Anblicke gesehen. Aber dann schrie er: Das ist meine Frau!“ Das Team war erschüttert: „Das ist unser größter Albtraum: Zu entdecken, dass es sich bei einem unserer Einsätze um Verwandte handelt“, sagte Even-Haims Vorgesetzter Haim Weingarten unserer Zeitung. „Wir wissen nicht, wie wir ihn trösten sollen.“
 
Die pragmatische Palästinenserführung in Ramallah, die sich für den Auftakt direkter Friedensgespräche mit Israel in Washington befindet, war sichtlich bestürzt. Den Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmud Abbas erreichte die Nachricht vom Attentat während einer Unterredung mit US-Außenministerin Hillary Clinton. Er wollte im Vorfeld der Verhandlungen demonstrieren, dass er im Gegenzug für israelische Zugeständnisse Sicherheit liefern kann. Die letzten anderthalb Jahre waren ruhig im Westjordanland. Doch die Attentäter machten dem ein Ende: Zuerst schossen sie aus einem fahrenden Fahrzeug auf den weißen Subaru der vier Siedler, dann stiegen sie aus und feuerten zig Kugeln auf die zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 24-47 Jahren. Tali Ames, 45 Jahre alt und Mutter von sechs Kindern, war im neunten Monat schwanger. Abbas verurteilte unmissverständlich „jeden Angriff auf Zivilisten, egal ob Israelis oder Palästinenser. So etwas kann man nicht Widerstand nennen“, sagte Abbas.

Während Israelis und pragmatische Palästinenser Entsetzen zum Ausdruck brachten, fanden in Gaza spontane Freudenkundgebungen statt, nachdem der bewaffnete Arm der Hamas die Verantwortung für das Attentat übernahm: „Dieser heldenhafte Akt war unsere Antwort auf die Verbrechen der israelischen Besatzung“, teilten die Kassam Brigaden mit. Es sei nur der erste einer ganzen Reihe geplanter Anschläge, drohte Abu Obeida, Sprecher Brigaden. Die Islamisten wollen damit die anstehenden Friedensgespräche zu Fall bringen.
 
Der Angriff überraschte niemand: Die Hamas Führung hatte ausdrücklich zu Attentaten aufgerufen. Die PA verhaftete in vergangenen Wochen vorsorglich hunderte Hamas-Aktivisten. Nach dem Attentat verschärfte die PA ihre Aktionen und verhaftete mehr als 130 Hamas-Anhänger. Prediger sollen nach dem Morgengebet noch auf den Stufen der Moscheen in Gewahrsam genommen worden sein. Die Gefängnisse in Hebron seien überfüllt, so eine Quelle in der Polizei. Auch die israelische Armee hatte Attentate erwartet, und auch gleich drei Kompanien abgestellt, um Gewalt von Seiten israelischer Siedler vorzubeugen.
 
Die Führung der Siedler drohte Konsequenzen an: „Wir haben alle Siedlungen angewiesen, heute Abend um sechs wieder Bauarbeiten aufzunehmen“, sagte Siedlersprecher Jischai Holländer unserer Zeitung. Damit wolle man einseitig einen zehnmonatigen Siedlungsbaustopp beenden, den Israels Regierung verhängt hatte, um die Wiederaufnahme von Gesprächen zu ermöglichen. Palästinenser drohen mit Abbruch der Gespräche, falls der Siedlungsbau fortgesetzt wird. Der Baustopp endet offiziell erst Ende September. „Wir wollen Mord nicht mit Mord vergelten. Wieder zu bauen ist die einzige angemessene Antwort auf das Attentat“, sagte Holländer. Die Siedlerführung forderte  Premier Benjamin Netanjahu dazu auf, Washington aus Protest gegen den Anschlag zu verlassen.

Der Premier erklärte hingegen, er halte an Gesprächen fest: „Terror wird weder die Grenzen Israels noch die Zukunft der Siedlungen beeinflussen“, sagte er nach seiner Landung in den USA. Die geplante Aktion der Siedler, die in symbolischen Akten den Baustopp verletzen wollen, stellt ihn nun vorzeitig während seiner Abwesenheit vor ein politisches Dilemma. Die Palästinenser blieben gestern mit ihrer Forderung nach einem Siedlungsbaustopp unerbittlich, die Siedler schienen entschlossen, den Baustopp demonstrativ zu missachten. „Unsere Regierung bleibt bei ihrer Entscheidung des Baustopps“, sagte ein Delegationsmitglied in Washington unserer Zeitung. „Israel ist ein Rechtsstaat. Wir werden diese Entscheidung entschlossen umsetzen.“ So bahnte sich ein Konflikt zwischen Netanjahu und den Siedlern an. Auffallend war hingegen, dass niemand von Rang in Israel die PA für das Attentat verantwortlich machte. In den letzten Jahren scheint zumindest in Reihen der Armee und der politischen Führung insgeheim ein großes Vertrauen zu den Sicherheitskräften der PA entstanden zu sein. Selbst das schwere Attentat der Hamas konnte dem bisher anscheinend nicht schaden.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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