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Ein offener Brief an Mahmud Abbas
Lieber Herr Präsident Dr. Abbas,
Ganz zu Anfang ein wenig frech: Darf ich vielleicht lieber Mahmud sagen? Schließlich sind wir doch nicht nur historisch miteinander verwandt, sonder wollen auch endlich gute Nachbarn werden, oder zumindest wünsche ich mir das.
Endlich ist es so weit: Du sprichst wieder direkt mit Israel. Hat ja lang genug gedauert. Viel zu lange hast Du Dich darauf verlassen, dass Amerikaner und Europäer Israel in die Ecke drängen. Damit hast Du teure Zeit vergeudet. Deine Taktik, beleidigt in Ramallah zu bleiben und nur mitzumachen, wenn nach Deinen Regeln gespielt wird, hat niemand genutzt außer den Extremisten.
Aber ich will fair sein. Du hast es schwer. Du verhandelst seit siebzehn Jahren, und die Siedlungen wachsen unaufhörlich. Bei Dir herrscht Kontinuität. Stets führte dasselbe Verhandlungsteam die Gespräche, vielleicht ein Vorteil der fehlenden Demokratie. Die Regierungs- und Richtungswechsel in Israel müssen Dich an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Immer wieder wie Sisyphos von vorn anfangen zu müssen ist undankbare Arbeit. Sei Dir meiner Hochachtung gewiss. Du bist Deinen gewaltlosen Prinzipien stets treu geblieben. Du hast Terror verurteilt, obschon Deine Mitbürger Dir darum an den Kragen wollen. Israelische Zugeständnisse hast Du dafür kaum erhalten. Du hast kaum Handlungsspielraum, Deine Lage scheint unmöglich. Gehst Du zu weit, wirst Du als Verräter verschrien, gehst Du nicht weit genug, droht Dir die Weltgemeinschaft.
Fast hätte ich Mitleid mit Dir. Aber Du hast Dir Deinen Posten frei ausgesucht. Um den Konflikt zu lösen, darf man von Dir mehr verlangen als von einem Normalsterblichen: Du musst wachsen. Es ist Zeit, nicht mehr nur Spalten in Tageszeitungen, sondern ganze Seiten in Geschichtsbüchern zu füllen.
Das Warten ist vorbei. Trete aus dem Schatten Deines Vorgängers! Vergiss den Politiker in Dir. Lass die kleinen Schritte und schlauen Ränke hinter Dir. Warte nicht darauf, dass andere die Drecksarbeit für Dich erledigen. Ich glaube Israels Premier, wenn er sagt, er meint es ernst mit Frieden. Er ist Dein Partner. Nur er kann Dir geben, was Deinem Volk zusteht. Beispielverträge haben bewiesen, dass eine Lösung möglich, ja greifbar nah ist.
Deine Führung ist gefragt: Zeige Deinem Volk, dass ein halbgefülltes Glas halbvoll ist; dass der palästinensische Anspruch stark genug ist, um die Anerkennung jüdischer Ansprüche ertragen zu können; dass eine friedliche, konstruktive, demokratische und rechtsstaatliche Variante des Islams existiert. Bitte Mahmud, es ist Zeit für einen historischen Wandel: Lass Palästinenser nicht mehr gedemütigt und voller Hass in die Vergangenheit, sondern hoffnungsvoll und mit Liebe in die Zukunft blicken. Sprich nicht vom Unrecht das war, sondern vom Recht, das kommen kann. Zeige, dass es den Palästinensern darum geht, einen eigenen Staat aufzubauen, und nicht darum, Israel zu zerstören.
Für Dich wird es lebensgefährlich sein, für die Region hingegen lebensnotwendig. Beweise Mut, und nicht bloß Dein Volk wird folgen, auch die Mehrheit der Israelis. Sie werden ihre Regierung in Deine Arme treiben. Es ist Deine letzte Chance. Sicher Deinen Platz im Himmel neben Anwar Sadat und Menachem Begin. Mehr kann ein wahrer Führer sich nicht wünschen.
Alles Gute Dir, und unseren beiden Völkern!
Dein
Gil
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