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Vom Feind zum Freund - Kommentar zu den Regierungskonsultationen in Berlin
In der israelischen und deutschen Presse besteht nur wenig Interesse für die Regierungskonsultationen, die am Montag in Berlin stattfanden. Sensationshungrige Journalisten ignorieren dieses Treffen völlig zu Recht. Bahnbrechende Entwicklungen sind nicht zu erwarten, händeringend suchten Vertreter beider Seiten im Vorfeld nach Gesprächspunkten für die Minister. Die bilateralen Beziehungen sind so klar und unproblematisch, dass das meiste ohnehin bereits auf bürokratischer Ebene geregelt wird. Hochrangige Vertreter des israelischen Außenministeriums betonten den „symbolischen Wert“ der Konsultationen. Man wolle der Öffentlichkeit die Intimität der neuen Normalität demonstrieren. 65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei nichts Außergewöhnliches mehr an einem hochrangigen Treffen zwischen den Regierungen beider Länder.
Doch genau das Fehlen jedes Hauches von Skandal, die unumstrittene Akzeptanz dieser Beziehungen, zumindest in Israel, ist das unfassbare und berichtenswerte dieses Regierungstreffens. In den Beziehungen zwischen Israel, dem Land der Schoa-Opfer, und Deutschland, dem Land der Holocaust-Täter, wurde Beispielloses vollbracht. Wohl keine zwei Völker, zwischen denen eine so tiefe Kluft herrschte, sind sich in so kurzer Zeit so nahe gekommen, wie Deutsche und Juden. Dies gelang, weil Deutsche echte Reue zeigten, und Israelis und Juden wirklich verziehen haben. Junge deutsche Juden dienen heute wieder in der Bundeswehr, Deutsche sind in Israel gern gesehene Gäste. Kanzlerin Angela Merkel gilt in Israel als eine der beliebtesten Auslandspolitiker, Berlin ist ein beliebtes Reiseziel. Die Art, wie beide Seiten mit ihrer Vergangenheit umgegangen sind, ist zukunftsweisend und gibt Anlass zu Hoffnung. Wenn es Deutschen und Juden gelang, sich derart zu nähern, ist Frieden in aller Welt zumindest möglich.
Israelische Diplomaten haben Recht, wenn sie betonen, dass die Beziehungen zu Deutschland nicht mehr nur auf der Vergangenheit aufbauen dürfen. Die Konsultationen sind darauf ausgerichtet, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu sorgen. Das soll nur realpolitisch geschehen, wie einer Kooperation im Kampf gegen den Terror, Rüstungsabkommen und das gemeinsame Vorgehen gegen den Iran. Mindestens ebenso wichtig ist das Vorhaben, gemeinsam Bildung, Umweltschutz und Kultur zu fördern. Besonders bemerkenswert ist die Absicht, dass Israelis und Deutsche in Zukunft Schulter an Schulter Entwicklungshilfe leisten wollen.
Wer schnell eine reißerische Schlagzeile sucht, mag den Gipfel in Berlin ignorieren. Wer aber Geduld für wahrlich historische, optimistische Prozesse hat, der sollte sich am Anblick des Treffens in Berlin laben.
© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
Sehen Sie hierzu das Interview im israelischen Fernsehen
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