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Written by Gil Yaron
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Monday, 26 October 2009 |
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Unruhen in Jerusalem
Am Wochenende wurde Jerusalem einmal mehr zum Brennpunkt des Nahostkonflikts. Israelische Polizisten lieferten sich an mehreren Stellen Straßenschlachten mit palästinensischen Jugendlichen, dabei wurden 21 Palästinenser festgenommen, mehr als 20 Demonstranten und drei Beamte wurden verletzt. Zwar herrschte gestern (Montag) eine gespannte Ruhe in der Stadt, doch schien es sich nur um eine Pause zu handeln. Extremisten auf beiden Seiten schienen bemüht, die Gemüter weiter anzuheizen um die religiöse Bedeutung Jerusalems für eigene Zwecke zu missbrauchen.
„Das Schicksal Jerusalems wird nur durch Kampf, nicht durch Verhandlungen bestimmt“, sagte Hamasführer Khaled Maschal und forderte Muslime in aller Welt zum Kampf auf. Jerusalem war am Sonntag eine Stadt der Gegensätze: In den engen Gassen des muslimischen Viertels hagelte es Steine von Dächern, Eliteeinheiten der israelischen Polizei stürmten zwei Mal den Tempelberg und räumten muslimische Betende. Nur wenige hundert Meter entfernt schlenderten ahnungslose Touristen unbekümmert durch den Basar.
Der Streit konzentriert sich dabei auf die 144.000 Quadratmeter des Geländes, das die Araber „Haram asch-Scharif“ und die Juden ihren Tempelberg nennen. Er gilt den Juden als heiligster Ort auf Erden, da hier vor 2000 Jahren der jüdische Tempel stand. Den Muslimen gilt genau derselbe Ort als heilig, weil Prophet Muhammad von hier in den Himmel aufgestiegen sein soll. Seit dem Jahr 690 befindet sich hier der Felsendom, das älteste muslimische Sakralbauwerk der Welt. Wenige Meter südlich davon steht die al-Aqsa Moschee, der drittheiligste Ort des Islams.
Seit Beginn des Friedensprozesses vor 16 Jahren ist die Teilung Jerusalems die problematischste Streitfrage. Seit Jahren warnen Islamisten vor israelischen Geheimplänen, die die Vernichtung al-Aqsas zum Ziel haben sollen. Israelische Fanatiker schüren diese Ängste. Vor wenigen Wochen legten Anhänger eines extremistischen Tempelkults in einer Siedlung 16 Kilometer östlich der Stadt einen Grundstein für ein lebensgroßes Modell des Tempels. Sie wollen hier Priester für die Ausübung der heiligen Riten ausbilden, falls der Tempel wieder aufgebaut werden sollte. Dies ginge nur nach einer Zerstörung der Moscheen. Für Sonntagabend hatten israelische Ultrarechte eine Konferenz angesetzt, die die Umsetzung israelischer Souveränität auf dem Tempelberg forderte. Juden ist es verboten, auf dem Tempelberg zu beten. Israel besitzt nur die Oberhoheit über den Tempelberg, die islamische Glaubensstiftung, der Waqf, verwaltet den Haram im Alltag. Auf palästinensischer Seite reagierten Politiker jeder Couleur auf die vermeintliche Provokation der Israelis und riefen dazu auf, den Haram durch Massenkundgebungen zu schützen.
Die Parallelen zwischen jüdischen und muslimischen Extremisten sind verblüffend. Sie tragen dieselben langen Bärte und großen Kopfbedeckungen, und nutzen fast identische Parolen. „Niemand hat ein Anrecht auf die al-Aqsa außer den Muslimen. Das Gelände ist ausschließlich arabisch und palästinensisch“, sagte der Führer der islamischen Bewegung Israels Raed Salah. „Die Juden haben kein Recht auf Jerusalem, es ist das Symbol für ganz Palästina“, sagte Khaled Maschal in Damaskus. Auf dem Kongress in Jerusalem erklärte der jüdische Knessetabgeordnete Michael Ben Ari von der Nationalen Union:„Der Tempelberg ist Symbol für das Land Israel. Wenn wir den Tempelberg aufgeben, geben wir das ganze Land auf.“ Sprecher forderten die Israelis auf, zu tausenden auf den Tempelberg zu drängen um dort zu beten. „Je mehr wir uns von den Arabern einschüchtern lassen, desto mehr Gewalt wird es geben“, sagte die Likud Abgeordnete Zippi Hotobelli.
Zwischen den Parteien steht eine nervöse israelische Polizei, die bemüht war, beide Seiten in Schach zu halten. Am Abend wurde ein israelischer Sicherheitsbeamter von einer Palästinenserin niedergestochen. Unter der ruhigen Oberfläche kochte die Stadt gestern noch immer:„Von Jerusalem kann ein Feuer ausgehen, das nicht nur die gesamte Region, sondern die ganze Welt in Brand setzt“, warnte der stellvertretende Vorsitzende der islamischen Bewegung Kamal Khatib.
© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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