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Written by Gil Yaron   
Friday, 28 May 2010
Sturm auf hoher See

In den Zeitungen las es sich, als stünde Israel ein Krieg bevor. „Bereitschaft zur See“, titelte die auflagenstärkste Zeitung Yedioth Aharonot, „Die Kommandos sind einsatzbereit“ ihre Konkurrentin „Maariv“. Eine Flottille von acht Schiffen mit rund 800 Aktivisten aus aller Welt bringt Israel und den Gazastreifen in Aufruhr. Die radikal-islamischen Machthaber im Gazastreifen der Hamas ließen bereits voller Erwartung den Hafen in Gaza schmücken und verteilten 500 Einladungen, die „dem historischen Ereignis“ der Ankunft von rund 10.000 Tonnen Hilfsgüter beiwohnen sollen. Doch dazu wird es höchstwahrscheinlich gar nicht kommen. Die Regierung in Jerusalem wies die Marine an, den Konvoi nach Gaza um jeden Preis zu stoppen. Tausende Soldaten wurden dieses Wochenende dazu abgestellt, der Flottille 20 Meilen vor der Küste den Weg zu versperren. Die Blockade um Gaza soll aufrechterhalten werden.

Seit 2007, als die Hamas die Macht im kleinen Landstrich in einem blutigen Putsch an sich riss, haben Israel und Ägypten den Gazastreifen hermetisch abgeriegelt. Offiziell will man damit verhindern, dass kriegswichtiges Material in die Hände der Islamisten gelangt, die sich die Vernichtung Israels auf ihre Fahnen geschrieben haben. Doch der Umstand, dass sich vor bis vor kurzem selbst Teigwaren auf der Liste der verbotenen Importwaren befanden, legt die Folgerung nahe, dass Israel Druck ausüben will, um die Hamas zu schwächen. Gazas Zivilbevölkerung zahlt dafür einen schweren Preis: Laut den UN leben inzwischen etwa 300.000 Menschen in tiefster Armut, drei Mal mehr als 2007. Sie können sich nicht einmal mehr Seife oder Trinkwasser leisten. Etwa 80% der 1,7 Million Bewohner Gazas leben unterhalb der Armutsgrenze. Zahlreiche Hilfsorganisationen sprechen von einer „humanitären Katastrophe“.

Die Aktivisten der „Freiheitsflotte“ wissen genau, dass die 10.000 Tonnen Hilfsgüter im Bauch ihrer Schiffe den Notstand in Gaza nicht beheben werden. Sie schlugen ein Angebot Jerusalems aus, die Güter über Israel nach Gaza zu bringen, nachdem die Behälter auf gefährliches Gut durchleuchtet werden. Ihnen geht darum, das Embargo medienwirksam zu durchbrechen und Israel bloßzustellen: „Wenn die Armee uns stoppt, wird das für sie zu einer riesigen Blamage“, sagt die arabische Knessetabgeordnete Hanin Suabi, die sich an Bord eines der Schiffe befindet. „Wir führen keine Waffen, nur Hilfsgüter. Die Aktivisten aus 50 Ländern haben ein Botschaft: Das einzige, was vor der Küste Gazas illegal ist, ist die Präsenz israelischer Truppen“.

Israel ist sich dem potentiellen Mediendebakel bewusst. Seit Wochen betreibt die Armee eine intensive Imagekampagne und veröffentlicht Statistiken: Demnach gelangten in diesem Jahr bereits 48.000 Tonnen Nahrungsmittel und 40.000 Tonnen Weizen in den Landstrich, und dass, obschon im selben Zeitraum mehr als 140 Raketen auf Israel abgeschossen wurden. Im vergangenen Jahr seien mehr als 10.000 Bewohner Gazas zu medizinischen Behandlungen nach Israel eingelassen worden. Doch laut den Berichten internationaler Hilfsorganisationen ist das nicht genug: Oft erreichen die Güter Gaza zu spät, sind beschädigt oder unbrauchbar.

Diesmal will Israel den Medienkrieg gewinnen. Im Hafen von Aschdod wurden klimatisierte Zelte aufgeschlagen, um die verhafteten Aktivisten behutsam in Gewahrsam zu nehmen. Eine Gegenflottille mit Freiwilligen will den ausländischen Aktivisten entgegensegeln und mit blutbefleckten T-Shirts auf die Verbrechen der Hamas und, zum Unmut türkischer Teilnehmer der Freiheitsflottille, den Völkermord der Armenier hinweisen. Das Amt des Premiers versendet täglich Emails an Journalisten, mit Hinweisen, die die Organisatoren der Aktion diskreditieren sollen. Ein Minister schlug sogar vor, die Schiffe kamerawirksam mit weiblichen Soldaten in weißer Uniform zu entern. Doch letztlich war man in Israel und bei der Hamas einer Meinung. Es sei einerlei, ob der Konvoi Gaza erreicht oder wie er gestoppt wird: „Wir können nur verlieren: Wenn wir Eier auf uns schmeißen lassen, machen wir uns lächerlich. Reagieren wir, werden sie uns als brutale Schläger darstellen“, sagte der Sprecher des Außenministeriums Jigal Palmor.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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