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Streit um Stammesväter
„Hebron ist ein Ort des Friedens. Hier sind die Stammesväter von Juden, Christen und Muslimen begraben“, sagt Noam Arnon, ein Sprecher der israelischen Siedler in der überwiegend palästinensischen Stadt Hebron. Doch die Stadt, in deren Herz sich eines der ältesten noch intakten öffentlichen Gebäude der Welt befindet, liegt seit drei Tagen im Mittelpunkt eines neuen Sturms, der sich im Nahen Osten zusammenbraut. Immer wieder liefern palästinensische Jugendliche sich Straßenschlachten mit israelischen Grenzpolizisten, das Westjordanland kocht.
Vergangene Woche erklärte Israels Regierung zig Stätten mit historischer Bedeutung zu „nationalen Kulturdenkmälern“. Insgesamt 100.000 € wurden zur Verfügung gestellt, um Anlagen mit großer archäologischer Bedeutung auf Vordermann zu bringen. „Unser Fortbestand stützt sich nicht nur auf Armee und Wirtschaft“, sagte Premier Benjamin Netanjahu, „sondern auch auf das nationale Zugehörigkeitsgefühl und die Fähigkeit, unsere tiefe Verbindung zu diesem Land zu demonstrieren.“ Auf Druck religiöser Parteien schloss Netanjahu am Sonntag auch zwei umstrittene Denkmäler im Westjordanland, die Makhpela Höhle in Hebron, die als das Grab Abrahams gilt, und das Grab der Stammesmutter Rachel bei Bethlehem, im nationalen Plan ein. Das Westjordanland wird von den Palästinensern für ihren zukünftigen Staat beansprucht.
Auf palästinensischer Seite löste der Beschluss Empörung aus: „Die Israelis wollen wieder Tatsachen geschaffen und uns zwingen, uns damit abzufinden“, sagte unserer Zeitung Abdallah Frangi, ein Fatahfunktionär. „Abrahams Grab befindet sich auf palästinensischem Boden. Bevor Israel hier etwas unternimmt, muss es uns fragen. Die Moschee in Hebron als ein jüdisches Kulturdenkmal zu beschreiben ist unerhört“, sagt Frangi. Präsident Mahmud Abbas warnte vor einem Krieg der Religionen.
In Hebron ist die Lage komplex. Die Makhpela erhebt sich über einer Grabhöhle, die seit Jahrtausenden der Ort verehrt wird, an dem Abraham, Isaak, Jakob und ihre Frauen begraben sein sollen. Die Fundamente des Gebäudes wurden von Herodes, dem König Judäas, vor zweitausend Jahren errichtet. Der größte Teil des heutigen Baus ist aber eine Moschee aus osmanischer Zeit. Eine große jüdische Gemeinde lebte in Hebron, bis sie 1929 durch ein palästinensisches Pogrom vertrieben wurde. Heute lebt eine kleine Gemeinde militanter israelischer Siedler wieder in Hebron, das heute überwiegend muslimisch ist. Nachdem ein Israeli im Jahr 1994 in einem Attentat 29 Palästinenser der Makhpela beim Beten tötete, sind Juden und Muslime hier streng voneinander getrennt. Extremisten von beiden Seiten fordern die exklusive Nutzung der Makhpela.
Beide Seiten machen ihre Existenzberechtigung am Kampf um heiligen Orte fest: „Schon in der Bibel steht, dass Abraham die Höhle für 400 Silberstücke gekauft hat. Niemand kann sie dem jüdischen Volk wegnehmen!“, wetterte Israels Vizepremier Silvan Shalom. Hamaspremier Ismail Haniyeh hielt dagegen: „Dieses Projekt soll uns unsere Identität und Geschichte rauben, und unsere islamische Stätten verändern.“ Einzig Israels Staatspräsident Schimon Peres wollte beruhigen: „Wir brauchen doch keine weiteren künstlichen Konflikte“, sagte er. „Israel wird weiterhin völlige Glaubensfreiheit gewähren. Der Plan soll die Stätten doch nur erhalten, und weder Muslimen noch Christen etwas stehlen.“
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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