Add to Google

Bookmark Us
 
 
 
Syndicate
feed image
feed image
feed image
feed image
 
Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Ende Mai/Anfang Juni wieder auf Vortragsreise in Deutschland und der Schweiz
Ort: Hier finden Sie Details
Thema: Vielzahl von Themen!


Who's Online
PDF Print E-mail
Written by Gil Yaron   
Thursday, 02 February 2012
Schlechtes Omen

Es ist eine ägyptische Eigenart, Katastrophen mit Komplotten zu erklären. Das ist verständlich wenn man bedenkt, dass Diktatoren ihre Bevölkerung Jahrzehnte lang mit Lügen abspeisten und man die Wahrheit nur hinter vorgehaltener Hand sagen durfte, außer, die Schuldzuweisung richtete sich gegen das Ausland. So erklären die verschiedenen politischen Kräfte das Blutbad in Port Said so, wie es ihren Interessen dient und ihnen ins Weltbild passt: Das Militär meinte,  ungenannte „ausländische Einmischungen“ hinter den Ereignissen zu erkennen, und will sich als notwendiger Beschützer ägyptischer Souveränität verstanden wissen. Die Muslimbrüder, die ihre Revolution graduell vorantreiben wollen, beschuldigen das alte Regime, um vorerst weiter mit den Militärs paktieren zu können. Die Verlierer der Wahlen, die säkularen Oppositionsgruppen, sehen in der Armee den Drahtzieher der Gewalt, damit sie das jetzige System stürzen können.

Einer von ihnen mag Recht behalten. Dennoch sollte man andere Ursachen hinter der Tragödie im Fußballstadion vermuten. Ägypter ging es bereits vor der Revolution schlecht, aber jetzt ist die Lage noch schlimmer als zuvor. Der Kornspeicher des Römischen Reichs ist der größte Weizenimportreur der Welt geworden, in einer Zeit schwindender Devisenreserven und steigender Preise. Jeder vierte Bürger lebt heute unter der Armutsgrenze von 1 Euro am Tag, ein Zuwachs von 25% Prozent in zwei Jahren. Das betrifft alle: Hochschulabsolventen (Armutsrate stieg von 4,7 auf 6,5%) oder Analphabeten (36,4% arm heute, 31,8% vor zwei Jahren). Dazu kommt eine Kriminalitätsrate die so hoch ist wie nie zuvor: Ein großer Teil der Kriminelle, die Mubarak vor einem Jahr freiließ, wurden nicht wieder gefasst und machen Landstraßen und Städte unsicher. Das Volk ist deswegen dazu übergegangen, sich zu bewaffnen. Alle neun Monate werden eine Million neue Babys in diese Spannungslage geboren.

Die Explosion in Port Said nichts als das erste Knistern im Pulverfass Ägypten. Das Land, das seinen Weg zur Demokratie gerade erst begonnen hat, steht vor gewaltigen Aufgaben, die selbst funktionierenden Industrie- und Rechtsstaaten vor gewaltige Herausforderungen stellen würden. Noch viel mehr als das Blutbad selbst ist die Reaktion am Tag danach ein schlechtes Omen für Ägypten. Das neue Regime, egal ob islamistisch oder säkular, muss die Probleme anders angehen als gewohnt. Wenn man statt der Wahrheit ins Gesicht zu sehen nur seine Feinde für die Missstände verantwortlich macht, provoziert man langfristig einen Krieg im Innern, oder Zwist mit seinen Nachbarn.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

< Prev   Next >
© 2013 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable