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Written by Gil Yaron
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Tuesday, 24 November 2009 |
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Regen als Segen und Fluch
An einem kalten Januarmorgen hielt Ghalia al Samuni die ständigen Schießereien in der unmittelbaren Umgebung ihres Hauses nicht mehr aus. Die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und der Hamas wurden immer heftiger. Um sechs Uhr nahm sie ihre fünf Töchter und zwei Söhne an der Hand und flüchtete: „Wir waren barfuß, wir haben alles im Haus gelassen“, sagt die 46 Jahre alte Witwe aus dem Vorort Seitun im Gazastreifen. Als der Krieg vorbei war und Samuni heimkehrte, begriff sie, dass ihr das Schlimmste noch bevorstand: „Kein Stein stand mehr auf dem anderen. Wir besitzen nichts mehr.“
Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wurden während des 22-tägigen Krieges 3535 Häuser zerstört, 2854 schwer und rund 53000 leicht beschädigt. In den meisten Fällen wurden die Häuser nicht wieder aufgebaut oder repariert. Israel hält seit Jahren eine Blockade des Landstriches aufrecht. Selbst wenn die israelische Armee sich rühmt, bis Ende Oktober bereits 17750 Lastwagenladungen mit Gütern in den Gazstreifen gelassen zu haben, bleiben die meisten Waren für Durchschnittsverbraucher unerschwinglich.
Vor allem Baumaterialien fehlen in Gaza. Israel befürchtet, dass die Islamisten der Hamas sie dafür verwenden könnten, um Bunkeranlagen für den nächsten Krieg zu errichten. „Ein Sach Zement kostet inzwischen 30 Euro, ein Ziegelstein einen Euro. Wer kann sich das leisten?“, fragt Husam al Samuni, ein entfernter Verwandter von Ghalia. Auch sein Haus wurde im Krieg zerstört. „Wir besuchten gerade verletzte Verwandte in einem Krankenhaus, als die Israelis unser Haus zerstörten“, sagt Husam. „Das ganze Stadtviertel war zerstört. Ich konnte mich gar nicht mehr orientieren“, sagt Husam. Er hatte noch Glück: Insgesamt 29 Familienmitglieder kamen im Krieg ums Leben. Der ehemalige Landwirt steht vor dem Bankrott: „Die Planierraupen der Armee haben meine Felder umgepflügt und die Olivenhaine vernichtet.“ Die 4000 Euro, die er von der Hamas bekam, reichten nicht, um das notdürftige Haus fertigzustellen. Familie und Nachbarn halfen mit, ein neues Heim zu errichten, trotzdem musste Hussam Geld leihen. Jetzt ist er arbeitslos und hat Schulden.
Wenige hundert Meter entfernt bei Ghalia ist die Lage noch schlechter. Ihr Ehemann starb vor wenigen Wochen an einer Krankheit, jetzt muss sie ihre Kinder allein durchbringen: „Mein ältester Sohn verdingt sich manchmal bei Verwandten. Dann verdient er 2 Euro am Tag. Davon leben wir. Keine Organisation hilft uns“, sagt Ghalia. Freundliche Nachbarn stehen ihr bei, der Busfahrer nimmt die Kinder umsonst in die zehn Kilometer entfernte Schule mit. „Er kennt unser Schicksal und ist sehr nett zu uns“, sagt Ghalia.
Viele Monate verbrachten die Samunis in einem Zelt. Auch sie bekamen 4000 Euro von der Hamas. Damit errichteten sie mit Lehmziegeln notdürftig ein Haus. Hier schläft die ganze Familie in einem Zimmer auf dem Boden. Jetzt steht der Winter vor der Tür: „Ich fürchte mich. Ich weiß nicht, wie die Kinder die Kälte überstehen werden“, sagt Ghalia Schon jetzt, vor Wintereinbruch, ist das Duschen eine Qual. Plastikplanen auf dem Blechdach sollen vor dem Wasser schützen, dass bei Regen auf den kalten Boden tropft. Eine Heizung gibt es hier nicht. „Wir könnten den Treibstoff dafür ja sowieso nicht bezahlen“, sagt Ghalia.
© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable |
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© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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