Add to Google

Bookmark Us
 
 
 
Syndicate
feed image
feed image
feed image
 


Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Ende Mai/Anfang Juni wieder auf Vortragsreise in Deutschland und der Schweiz
Ort: Hier finden Sie Details
Thema: Vielzahl von Themen!


Who's Online
We have 28 guests online
PDF Print E-mail
Written by Gil Yaron   
Thursday, 02 September 2010

Reden ist Silber
 

 

Die Bevölkerung des Nahen Ostens betrachtet den Auftakt direkter Verhandlungen in Washington mit großer Skepsis. Nach siebzehn Jahren erfolgloser Friedensgespräche scheint den meisten Menschen der Region, als wäre ihnen alles schon bekannt: „Schöne Worte haben uns nicht weiter geholfen. Niemand will sie mehr hören“, sagt der palästinensische Journalist Sam Bahour. Bei der Pressekonferenz in Washington, die dem Auftakt der Gespräche gestern vorausging, sprachen Premier Benjamin Netanjahu und Präsident Mahmud Abbas von der Friedenssehnsucht ihrer Völker. Netanjahu betonte das Sicherheitsbedürfnis Israels, Abbas, dass sein Volk am meisten unter der Besatzung leide.
 
Die Friedensgegner nutzten ebenfalls bekannte Rhetorik: „Der heutige Tag steht für den Beginn direkter Verhandlungen zwischen jemand, der kein Recht hat, die Palästinenser zu vertreten, und einem brutalen Besatzer, der die Gespräche als Deckmantel dafür nutzt, unser Land zu stehlen“, sagte Mahmud a-Sahar, Führer der Hamas in Gaza. Die Hamas werde jeden Kompromiss ablehnen, da es religiöse Pflicht sei, das gesamte Land mit bewaffnetem Widerstand zu befreien. Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas „versprachen“ weitere Anschläge, und hielten bisher Wort. Hamaschef Khaled Maschal sagte, dass kein Vertrag, den Abbas aushandle, Gültigkeit besäße oder anerkannt würde. Der Iran und die Hamas im Gazastreifen kündigten für Freitag Massendemonstrationen gegen Israel und Verhandlungen an. Auch die Siedlerführer überraschten nicht: In 80 Siedlungen schickten sie Planierraupen in brache Grundstücke, um damit ihre Rebellion gegen den einseitig von Israel verhängten Siedlungsbaustopp zu demonstrieren. „Netanjahu sollte sofort seinen Besuch in Washington abbrechen. Wie kann er dort feiern, während in Israel Terroropfer begraben werden?“, wetterte Chef des Siedlerrates Danny Dayan. 
 
Interessanter als die schablonenhaften Reden waren jedoch die Dinge, die nicht gesagt wurden. Das fiel auch Dayan auf. Er sei besorgt darüber, was Netanjahu seit mehr als einem Jahr nicht mehr ausspreche. „Seit mehr als einem Jahr hat er nicht mehr gesagt, dass Jerusalem nicht geteilt werden wird, dass Israel sich nicht auf die Grenzen von 1967 zurückziehen wird, oder dass er keine Siedlungen räumen wird. Das ist eine bedenkliche Entwicklung“, sagte Dayan. Seine Sorge könnte begründet sein: Kommentatoren wunderten sich über die Funkstille nach einem Interview von Verteidigungsminister Ehud Barak, der unverblümt von einer Teilung Jerusalems sprach. Früher hätte das Interview einen Aufschrei ausgelöst. Jetzt könnte es als politischer Testballon Netanjahus gedient haben, um die politischen Wasser auszuloten.
 
Nach zwei blutigen Anschlägen der Hamas im Westjordanland war von der offiziellen israelischen Führung keine Kritik an den Palästinensern zu hören, im Gegenteil: Offiziere nahmen ihre palästinensischen Kollegen sogar in Schutz. Zwar warnte Brigadegeneral Nitzan Alon, Befehlshaber in der Umgebung Hebrons, in der in der Nacht zum Dienstag das Attentat stattfand, vor der Gefahr weiterer Attentate. Die Kritik der Siedler, man habe zu viele Straßensperren geräumt und dadurch den Terror erst ermöglicht, wies er aber entschieden zurück: „Sicherheit hängt nicht nur von den Straßensperren ab, sondern auch von der Kooperation mit den Palästinensern.“ Und die scheint gut zu sein, denn laut Alon ist die Lage heute „unvergleichlich besser“ als vor zwei Jahren.
 
Einst wiesen israelische Politiker nach Attentaten mit anklagendem Zeigefinger Richtung Ramallah. Dort werde nicht genug gegen den Terror getan, hieß es. Netanjahu war einer der ersten, die früher behaupteten, auf der anderen Seite gebe es keinen Partner. Jetzt tönt aus Regierungskreisen keine Kritik. Medien berichteten ausführlich von der „größten Verhaftungswelle“ in der Geschichte der palästinensischen Autonomiebehörde (PA), die in den vergangenen 48 Stunden rund 500 Hamas-Aktivisten festnahm. Kommentatoren überschlugen sich mit ihrem Lob für die PA, die Fernsehnachrichten widmeten „dem Fortschritt in Hebron“ eine 15 Minuten lange Reportage. Locker spazierten dabei zwei israelische Journalisten vor laufenden Kameras durch die ehemalige Hochburg der Hamas und unterhielten sich dabei auf Hebräisch. Mit verklärten Augen besuchten sie das neue Fußballstadion und das renovierte Rathaus und redeten davon, dass hier „vor laufenden Kameras“ ein palästinensischer Staat entstehe. Doch die interessanteste Wendung bot wohl der ehemalige Hardliner Netanjahu, der sich in Washington mit einer Schulterdrehung an Abbas wandte und ihm sagte: „Präsident Abbas, Sie sind mein Weggefährte zum Frieden.“

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

< Prev   Next >
© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable