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Pannen und Gefahren im Netz
Die Aufnahmen einer ehemaligen israelischen Soldatin, die während ihrer Dienstzeit grinsend vor gefesselten palästinensischen Häftlingen posierte und jetzt die Bilder ins Internet stellte, haben weltweit eine Welle der Empörung ausgelöst und in Israel eine heftige Diskussion angestachelt. Der Armeesprecher spricht von einer „beschämenden Ausnahme“, aus der man keine Rückschlüsse über das Verhalten israelischer Soldaten ziehen könne. Menschenrechtsorganisationen hingegen behaupten, Aufnahmen, auf denen Kampftruppen Erniedrigungen von Palästinensern festhalten, seien inzwischen zur Norm geworden. Dabei ist der Zwischenfall nur ein Beispiel dafür, wie problematisch die Medienfront im Internet für die israelische Armee ist.
„Da siehst Du richtig sexy aus!“, kommentierte ein Freund eines der Fotos. Die 21 Jahre alte Eden Abargil hockt darauf grinsend in Uniform vor zwei Palästinensern, die hinter ihr gefesselt und mit verbundenen Augen sitzen. „Interessant, ob der auch auf Facebook ist. Ich müsste ihn taggen“, antwortet Abargil, als handle es sich bei den Gefangenen um alte Bekannte. Abargil diente in einer Einheit, die damit beauftragt war, die Grenze zu Gaza zu sichern. Sie musste dabei palästinensische Eindringlinge verhaften. Abargil hatte offensichtlich Spaß daran. Sie nannte das Fotoalbum, in dem die Bilder erschienen: „Mein Wehrdienst – die beste Zeit meines Lebens“. Auf einer Reihe von Bildern posiert sie fröhlich, als seien die gefesselten Zivilisten hinter ihr Jagdtrophäen. Nicht nur bei Palästinensern, auch in Israel lösten die Bilder eine Welle der Empörung aus. Selbst die Armee verurteilte den Umstand, dass Abargil die Bilder ins Netz gestellt hatte. „Dies widerspricht unserem Ehrenkodex“, so ein hochrangiger Offizier. Abargils Verhalten sei primitiv und flegelhaft. Doch die Armee verurteilte nur die Veröffentlichung der Bilder, nicht die Umstände, unter denen sie entstehen konnten: „Das waren Eindringlinge, die verhaftet wurden. Unser Auftrag ist, die Grenzen zu schützen“, sagte ein hochrangiger Offizier unserer Zeitung. Abargil versteht deswegen die ganze Aufregung nicht: „Was ist daran falsch? Es steht doch gar keine politische Aussage dahinter“, sagte sie in einem Radiointerview.
Die Armee war bemüht, die Affäre als privaten „Ausrutschter“ Abargils darzustellen. Doch die Menschenrechtsorganisation „Die Stille brechen“, die Vergehen israelischer Soldaten aufdecken will, veröffentlichte eine Reihe von Bildern, die in vergangenen Jahren von Soldaten ins Netz gestellt wurden. Truppen posieren hier neben erschossenen und verletzten Terroristen, andere ließen sich neben gefesselten Gefangenen ablichten: „Dies ist eine Norm die zwangsweise entsteht, wenn man ein anderes Volk lang besetzt hält“, hieß es in einem Kommentar. Palästinenser würden nicht mehr als Menschen, sondern als Objekte betrachtet und behandelt.
Neben dem Imageschaden stellen Veröffentlichungen im Internet für die Armee inzwischen sogar eine konkrete Gefahr dar. Der Umstand, dass Fotos von Soldaten, die sich in Kampfhandlungen ablichten und die Bilder ins Netz stellen, in internationalen Gerichtsverfahren als Beweismaterial dienen können, ist dabei noch das kleinere Übel. Immer öfter ist auf den privaten Bildern auch geheimes Material sichtbar. Die Aufnahmen Abargils aus ihrer Kaserne zeigten geheime Karten und Listen an den Wänden. In einem Fall musste bereits ein Einsatz abgesagt werden, weil ein Soldat vorher Details im Netz veröffentlicht hatte. Die Armee hat deswegen dieses Jahr strickte Richtlinien für die Veröffentlichung von Bildmaterial erarbeitet. Eine Spezialeinheit sucht inzwischen im Netz nach Fotos, die die Staatssicherheit gefährden könnten.
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