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Muslim zeigt Juden christliche Bruderliebe
Schon vor drei Jahren schockierte Mosab Jussuf Palästinena. Der Sohn eines der wichtigsten Gründer der radikal-islamischen Hamas flüchtete aus dem Westjordanland in die USA. Von dort erklärte er im Sommer 2008, dass er zum Christentum übergetreten sei – in den Augen vieler Muslime eine Todsünde, für Mosabs Familie eine kaum überwindbare Schande. Die Veröffentlichung seiner Memoiren kommende Woche werden seinen Übertritt aber schon fast nebensächlich erscheinen lassen: Jahrelang, so sagt Mosab, diente er als Agent des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Dies berichtete gestern exklusiv die israelische Tageszeitung Haaretz.
Anfangs wuchs Mosab in Ramallah im Westjordanland so auf wie alle seine palästinensischen Altersgenossen. Nach der Schule spielte er auf dem Stadtfriedhof neben seinem Haus Fußball, danach ging er zu Demonstrationen gegen die israelische Besatzung. Immer wieder hörte er die hasserfüllten Predigten seines Vaters. Nach dem Ausbruch der ersten Intifada 1987 füllte sich der Friedhof mit Gräbern von mehr und mehr Märtyrern, es war kein Platz mehr zum Spielen. Mosab nahm den Kampf gegen Israel auf und wurde 1996 verhaftet.
Im Gefängnis ereignete sich der entscheidende Wandel. „Ich sah mit eigenen Augen, wie Hamasführer Häftlingsinsassen folterten – berühmte Hamasführer, die heute jeden Tag im Fernsehen sprechen“, sagt Mosab. Ein zufälliges Treffen mit einem britischen Geistlichen brachte ihm das Christentum näher: „Besonders faszinierte mich die Idee, dass man seinen Feind lieben sollte“, sagt Mosab, der heute Joseph genannt werden will. Mosab begann, mit den Israelis zu kooperieren. 1997 kam er auf freien Fuß - seine unglaubliche Karriere als wichtigster Agent Israels in den Reihen der Hamas, Deckname „grüner Prinz“, konnte beginnen. „Ohne seine Hilfe wäre es uns kaum gelungen, die Terrorzellen der Hamas in der Zweiten Intifada (2000-2006) zu zerschlagen“, sagte ein hochrangiger Agent des Schin Bet zu Haaretz. Ein anderer Agent, der in dieser Zeit im Westjordanland arbeitete, konnte dies im Gespräch mit unserer Zeitung nicht bestätigen: er habe nie etwas vom grünen Prinzen gehört.
Trotzdem scheint Mosabs Buch mehr zu sein als der Wunsch, berühmt zu werden. In seiner Dienstzeit hatte er nie Geld verlangt, heute bringen ihn seine Geständnisse in Lebensgefahr. Er wolle Israel „ein Zeichen des Friedens senden“, sagte Joseph zu Haaretz. Er sei jedoch sehr pessimistisch, was die Chancen für Frieden beträfe:„Hamas wird nie Frieden mit Israel schließen. Ihr Gott verbietet ihnen das.“ Die ganze Gesellschaft heilige den Tod und Selbstmordattentäter. Mosab ist vor allem auf die Führung seines eigenen Volkes böse: „Wir Palästinenser sind gute Menschen, aber unsere Führung lügt uns an. Die Hamas tötet ständig Palästinenser. Sie haben keine Probleme damit, jemand in einer Moschee zu töten oder von einem Hochhaus zu werfen.“ Zivilisten würden auf schamlose Art missbraucht: „Die Hamas nutzt das Leid der Menschen, von Kindern, um ihre politischen Ziele zu erreichen.“ Für seinen ehemaligen Erzfeind findet der Sohn des Hamasführers hingegen warme Worte: „Ich respektiere und schätze Israel. Die Israelis würden so etwas nie tun. Ich weiß ganz genau – die sorgen sich mehr um die Palästinenser als die Fatah oder die Hamas“, sagt Mosab.
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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