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Written by Gil Yaron   
Tuesday, 23 February 2010
Sensationelle Funde in Jerusalem

Die Wand ist selbst für moderne Maßstäbe beeindruckend. Siebzig Meter lang schlängelt sich das sechs Meter hohe Ungetüm aus Stein in der Mitte des Moriah Bergs auf blankem Fels den Abhang entlang. Moriah ist jener Berg, der Juden als Tempelberg und Muslimen als Standort der al-Aqsa Moschee heilig ist. Sollte sich die Annahme von Professor Elat Masar, Archäologin an der Hebräischen Universität in Jerusalem, bestätigen, wäre die Mauer aber nicht nur beeidruckend, sondern ein sensationeller Fund, der die Bibel in ein anderes Licht rückt: „Ich habe keine Zweifel – diese Mauer stammt aus dem 10. Jahrhundert vor Christus. Es gibt nur einen König, der sie errichtet haben kann: der biblische Salomo“, sagt Masar.

Das Buch der Könige berichtet von einer Stadtmauer mit der Salomo seine wichtigsten neuen Bauwerke einfriedete: Dem ersten Tempel und Salomos Palast auf dem Berg Moriah. Es waren gewaltige Bauwerke: sieben Jahre lang sollen 30.000 Zwangsarbeiter die Baustelle des Tempels bevölkert haben, der Bau des Palasts nahm gar 13 Jahre in Anspruch. Doch bisher hielten viele Bibelkritiker dies für Übertreibung: „Je weiter man in die Vergangenheit blickt, desto ungenauer werden die Angaben der Bibel, und desto weniger außerbiblische Quellen finden sich, die die Behauptungen der Bibel bestätigen“, sagt Dr. Doron Ben Ami, ein Kollege Masars. Die Geschichten der Stammesväter Abraham, Isaak und Jakob, der Auszug aus Ägypten und Josuas Eroberung Kanaans werden deswegen von vielen Archäologen und Bibelforschern ins Reich der Mythen delegiert.

Doch an König David und seinem Nachfolger Salomon scheiden sich die Geister. Die Schule der Minimalisten räumt ein, dass David eine historische Persönlichkeit gewesen sein könnte, die eine Dynastie gründete. Er soll jedoch nicht mehr als der Anführer einer Räuberbande gewesen sein, der mit Jerusalem ein völlig unbedeutendes Dorf beherrschte. Diese Annahme stützt sich das Fehlen beeindruckender Funde aus den Lebzeiten Davids, etwa 1000 v. Chr., in Jerusalem, zumindest bisher. Maximalisten hingegen schenkten der Bibel auch als historische Quelle Glauben.

Masar ist sich nun sicher, mit der Mauer und dem ausgegrabenen Stadttor die Argumente der Minimalisten endgültig widerlegt zu haben. Im Fußboden des Stadttores fand sie Keramiken, deren Typologie sie dem 10. Jahrhundert v. Chr. zuordnet. Hebräische Bullae und ein zerbrochenes Tongefäß, das „dem König“ gewidmet war, beweisen, dass es sich nicht um die kanaanitische Überreste handelt. Zusätzlich will „noch den Radiokohlenstoffgehalt von Olivenkernen bestimmen, die wir gefunden haben.“ C14 erlaubt eine Datierung mit einem Messfehler von nur wenigen Jahrzehnten.

Hielten Masars Funde den Untersuchungen ihrer Kollegen stand, „wäre der Fund eine Sensation“, der die Sicht der Maximalisten tatsächlich stütze, sagt selbst Masar-Kritiker Professor Dieter Vieweger, Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI). Eine derart gewaltige Stadtmauer und das Stadttor mit seinen vier Kammern zeugen von einer mächtigen zentralen Regierungsgewalt, wie sie das Buch der Könige beschreibt. Die Minimalisten, die David und Salomo zu kleinen Clanchefs degradierten, wären endgültig widerlegt. „Das Potential, hier noch mehr zu finden, ist gewaltig. Jeder, der an König David zweifelte, muss nur herkommen und graben. Wir haben bisher nur einen kleinen Teil des Potentials genutzt“, sagt Masar. Doch das dürfte schwierig werden: direkt neben der angeblich salomonischen Stadtmauer verläuft eine Hauptstraße, auf der anderen Straßenseite befindet sich ein arabisches Stadtviertel. Dessen Bewohner werden ihre Häuser kaum verlassen, damit Israels Bewohner in der Erde nach ihren biblischen Wurzeln graben können.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

Sehen Sie hier Bilder zum Artikel

Schauen Sie hier Videos vom Tempelberg und den Ausgrabungen an

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© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable