Home arrow Deutsche Artikel arrow Mord wird zum Debakel
Add to Google

Bookmark Us
 
 
 
NEWSLETTER




Syndicate
feed image
feed image
feed image
 
Tags

abbas   arabischen   aviv   bdquodie   fatah   gaza   gazastreifen   gil   hamas   iran   israel   israelis   israelische   israelischen   israels   jahr   jahre   jahren   jerusalem   juden   keine   krieg   making   netanjahu   palästinensischen   premier   regierung   sei   soldaten   soll   staat   stadt   tel   understandable   usa   welt   westjordanland   wollen   yaron   2009   2010  

Created with AkoCloud.
Gil Yaron im SPIEGEL


Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Vom 5.3. bis 15.3. auf Reise in Deutschland
Ort: Schauen Sie hier die Details nach
Thema: Vielzahl von Themen!

Das neue Buch



Who's Online
We have 83 guests online
PDF Print E-mail
Written by Gil Yaron   
Monday, 22 February 2010
Mord wird zum Debakel

Es war als ein perfekter Mord geplant: Ein ganzes Team des Mossad war im Januar nach Dubai gereist, um den hochrangigen Hamasfunktionär Mahmud Mabhuh in einem Luxushotel zu ermorden. Alles schien gelungen: Die Agenten entkamen unbehelligt, selbst die Hamas dachte, der tot aufgefundene Aktivist, der zuletzt für den militärischen Nachschub in den Gazastreifen verantwortlich gewesen war, sei eines natürlichen Todes gestorben. Schließlich war sein Zimmer von innen verriegelt. Doch die Mörder machten die Rechnung ohne den Wirt. Dank Hochtechnologie, unter anderem israelischen Ursprungs, und allgegenwärtiger Sicherheitskameras gelang es der Polizei Dubais anscheinend, den Mord aufzuklären. Eine Vielzahl von Reportern tut jetzt das Übrige, um Licht auf die Affäre zu werfen, sehr zumUnmut Israels.

Lange versuchte Jerusalem, den Mord zu ignorieren. Es gebe keine Beweise für eine israelische Beteiligung am Mord, hieß es. Man müsse sich für nichts entschuldigen und schulde niemand keine Erklärung dafür, dass Mabhuhs Mörder europäische Pässe genutzt hatten, um in Dubai einzureisen. Israels Außenminister Avigdor Liebermann reiste nach Europa, um diplomatische Eskalation der Affäre abzuwenden. Sein einziger Kommentar bisher: man kann uns ohne Beweise nichts anhängen. Doch eine Reihe von Pannen und Schlampereien stellen diese Argumentation in ein lächerliches Licht, die europäische Staatsanwaltschaften wohl kaum zur Einstellung ihrer ermittlungen bewegen wird.

Mehrere der britischen Pässe waren auf Namen von Personen ausgestellt, die nach Israel eingewandert waren. Einer der Briten, James Leonard Clarke, lebt im Kibbuz Givat Hashlosha. Als ein israelischer Reporter am Wochenende den Kibbuz aufsuchte, um Clarke zu interviewen, war dieser spurlos verschwunden. Die Einwohner lehnten es ab, mit dem Reporter zu sprechen, in Israel ein ansonsten unbekanntes Phänomen, manche sprachen sogar von Konsequenzen, die ihnen drohten, falls sie ihren Mund aufmachten.

Der Agent namens Michael Bodenheimer besaß einen echten deutschen Pass. Der war im Vorjahr in Köln ausgestellt worden, nachdem der Antragssteller eine deutsche Heiratsurkunde seiner Eltern und einen israelischen Pass vorgezeigt hatte. Als Geschäftsadresse gab Bodenheimer ein Bürohaus in Herzliya an, ein Tel Aviver Vorort, nur knapp ein Kilometer vom Hauptquartier des Mossad entfernt. Der Korrespondent des SPIEGELs entdeckte dort am Wochenende ein Namensschild mit Bodenheimers Namen, nur knapp zwei Tage später hatte jemand den Namen vom Schild entfernt.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak trug selbst ein Verdachtsmoment bei. Eine Kamera des israelischen Senders Channel 10 erfasste ein privates Gespräch zwischen ihm und Staatspräsident Schimon Peres auf der Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes. „Frankreichs Präsident Sarkozy hat uns wieder angegriffen“, klagte Peres, der glaubte, ungehört zu sein. „Warum diesmal?“, fragte Barak. „Wegen dem Mord in Dubai.“ „Gezielte Tötung, gezielte Tötung“, widersprach Barak. Als er begriff, dass er gefilmt wurde, stellte er das Gespräch mit Peres mit einer warnenden Geste an den Kameramann ein.

Doch nicht nur Israel verstrickt sich immer tiefer in den diplomatischen Konsequenzen des Mordes an Mabhuh, auch die Hamas stößt auf Grenzen der Sympathie. Sie fordert immer wieder von Dubai, an den Ermittlungen beteiligt zu werden, doch das Emirat lehnt kategorisch ab. Am Wochenende erteilten Sprecher aus Dubai, sichtlich um ihr internationales Image besorgt, der Hamas sogar noch einen Stümper. Mabhuh hätte Dubai nicht mit einem gefälschten Pass unangekündigt besuchen dürfen. Indem er zwei israelisch Soldaten in Kriegsgefangenschaft tötete, habe er gegen den Islam verstoßen und gehöre vor ein Gericht. Der Tod sei durch einen Doppelagenten oder Verräter in den Reihen der Hamas ermöglicht worden, hieß es. Sprecher der Hamas wiesen diese Vorwürfe empört zurück.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

< Prev   Next >
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable