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Keine Hoffnung aus Bethlehem - ein Kommentar zu Weihnachten 2009
Es ist ein eigenartiges Gefühl an genau dem Ort zu stehen, an dem der Sohn Mariae geboren sein soll. Der silberne Stern auf dem kalten Steinboden in der Geburtsgrotte versinnbildlicht die Gegensätze, die mit dem Leben des weisen Zimmermannssohnes aus Nazareth verbunden sind. Die unscheinbare kleine Grotte bildet den Gegenpol zu der 1700 Jahre alten Geburtskirche in Bethlehem, einst eine der beeindruckendsten Bauten ihrer Zeit. Oben Prunk und Reichtümer, die langsam in sich verfallen, unten Armut und Bescheidenheit.
Dieser Ort zeugt davon was geschieht, wenn Mythen Selbstzweck werden, oder, noch schlimmer, in den Dienst der Machtgelüste der Herrscher gestellt werden. Die Lebensgeschichte und Lehren Jesu haben Menschen über Jahrtausende beflügelt und beseelt. Christen haben oft bewiesen, dass sie zu beispielloser Nächstenliebe fähig sind, und zu unglaublicher Barbarei. Maria Theresa ist eine Seite der Medaille – Judenhass, Kreuzzüge, Inquisition und die Plünderung Südamerikas die andere.
In Bethlehem sind auch zweitausend Jahre nach der Geburt Jesu die Konsequenzen irregeleiteter Ideologie sichtbar. Die hasserfüllte Terrorwelle der Intifada hat Leid über Palästinenser und Israelis gebracht. Die Friedensverhandlungen sitzen fest, weil Führer auf beiden Seiten der Sehnsucht nach einer glorreichen Vergangenheit mehr Bedeutung zumessen als der Gewissheit einer armseligen Zukunft. Zu Weihnachten gibt der Nahe Osten nur wenig Grund zu Hoffnung. Extremisten beider Seiten nutzen die mystische Kraft der Toten, um die Lebendigen zu beherrschen.
Trotzdem sollte Weihnachten eine Zeit sein, in der man sich darauf besinnt, die Menschen im Nahen Osten nicht hochnäsig und herablassend zu behandeln, weil sie dem friedlichen und reichen Europa irrational und rückschrittlich erscheinen. Europa und das Christentum haben unsäglich viel Blut vergossen, bevor sie sich vom ideologischen Überbau der Kirche und des Nationalismus abwandten und im Prinzip darauf besannen, was der einfache Prediger aus der armseligen Grotte stets im Sinn hatte. Der Nahe Osten ist davon noch weit entfernt. Er braucht dafür auch Europas Hilfe, und viel, viel Geduld.
© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable
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