Add to Google

Bookmark Us
 
 
 
Syndicate
feed image
feed image
feed image
 


Resize Font
A+ | A- | Reset

Der nächste Vortrag
Termin: Ende Mai/Anfang Juni wieder auf Vortragsreise in Deutschland und der Schweiz
Ort: Hier finden Sie Details
Thema: Vielzahl von Themen!


Who's Online
We have 25 guests online
PDF Print E-mail
Written by Gil Yaron   
Monday, 09 November 2009

Willkommen in Silicon Wadi


Der Motorradunfall war das Beste, was Avi Yaron in seinem Leben geschehen konnte. Als er schwer verletzt in ein Tel Aviver Krankenhaus eingeliefert wurde, entdeckten die Ärzte bei den Untersuchungen einen seltenen Hirntumor mit schlechter Prognose. Yaron ließ sich von der Diagnose nicht entmutigen und suchte den besten Hirnchirurgen in den USA auf. Doch selbst der konnte den Tumor nicht völlig entfernen. Der Arzt wollte Yaron Hoffnung machen: „Irgendwann wird jemand eine Mirkokamera erfinden, mit der man dreidimensionale Aufnahmen in deinem Kopf machen kann. Wenn das schnell genug geschieht, werde ich dich wieder operieren und heilen.“ Yaron wollte aber nicht abwarten. Er entschloss sich die Kamera selber zu bauen und gründete vor zehn Jahren die Firma Visionsense. Inzwischen produziert Visionsense eine 3,4 Millimeter große Kamera, die sich in den Körper einführen lässt und dreidimensionale Bilder liefert. Yaron ist heute tumorfrei und schweigt sich bescheiden über sein Gehalt aus.
     
Yarons Traumkarriere ist außergewöhnlich. Für viele Israelis ist sie jedoch Parabel für zahlreiche Schicksale in einem Land, das widrigen Umständen originell begegnen will. Besonders die Armee ist für ihre Technologie bereits weltberühmt. Sie setzte als erste Aufklärungsdrohnen ein, schießt Satelliten ins Weltall und entwickelte ein Raketenabwehrsystem. Manchmal nimmt der Zwang, im Krieg erfinderisch zu sein, groteske Züge an, wie während des ersten Golfkrieges 1991. Damals herrschte in Israel Angst vor einem irakischen Giftgasangriff. Als während eines Konzertes der israelischen Philharmonie die Sirenen aufheulten, setzte das Orchester einfach Gasmasken auf und spielte weiter.
   
In friedlichen Zeiten konzentrieren junge Israelis ihre erfinderischen Energien lieber auf Hochtechnologie und Innovation. Viele träumen davon, dass Schicksal der Firma „Mirabilis“ nachzuahmen. Vier junge Männer gründeten die Firma 1996 und entwickelten hier erstmals die Möglichkeit, auf dem Internet mit dem Programm ICQ zu chatten. Zwei Jahre später wurde die Firma für insgesamt 400 Mio. US$ aufgekauft. Spätestens seit dem legendären Verkauf von Mirabilis träumt jeder Israeli von seinem eigenen „großen Ausstieg“. Dies erklärt zum Teil, weshalb in Israel trotz seiner nur 7,4 Million Einwohner jedes Jahr mehr Neuunternehmen gegründet werden als in jedem anderen Staat der Welt, die USA ausgenommen.

Der Unternehmerdrang rührt auch vom hohen Bildungsstand. Fast jeder vierte Arbeitnehmer besitzt einen Universitätsabschluss, nur in den USA und in Holland ist der Anteil höher. Israelis veröffentlichen pro Kopf mehr wissenschaftliche Arbeiten als jede andere Nation der Welt, mit 113 Arbeiten pro eine Million Einwohner mehr als doppelt so viel wie Deutschland (40 pro eine Million Einwohner). Im Jahr 2008 investierten Venture Capital Firmen über 1,33 Mrd. € in Israel, um sich dieses Wissen zu Eigen zu machen.
In der Stammzellforschung ist Israel führend, wie auch in anderen Bereichen der Biotechnologie. Allein in den vergangenen zwei Wochen entwickelte man in Israel einen neuartigen Grippe-Impfstoff und perfektionierte die Behandlung von Parkinson mit neuartigen Stammzellen. Auch Giganten wie Microsoft, Cisco, Motorola und Intel wollen diesen Erfindungsreichtum im Bereich der Informationstechnologie nutzen. Deswegen haben sie im „Silicon Wadi“, wie das israelische Pendant des kalifornischen „Silicon Valleys“ genannt wird, Entwicklungszentren errichtet, die einzigen außerhalb der USA. Junge Ingenieure, gerade aus dem Armeedienst entlassen, entwickeln hier den nächsten Computerchip, verkleinern die nächste Handygeneration oder perfektionieren die nächste Firewall.
    
Der Erfindungsdrang verändert auch die Wüste, die mehr als 50% der Landesoberfläche ausmacht. Israelische Wissenschaftler bescherten der Welt die Wasser sparende Tropfbewässerung, die effizienteste Wasserentsalzungsanlage der Welt und die Cherrytomate. Dabei bleibt die Umwelt nicht außen vor. Mehr noch als über die technologischen Leistungen ist man hier besonders auf eine Errungenschaft stolz. Dank massiver Aufforstung ist Israel das einzige Land der Welt, auf dessen Staatsgebiet zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr Bäume stehen als hundert Jahre zuvor.

© 2009 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

 

< Prev   Next >
© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable