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Israel als sicherer Hafen für Anleger
Noch vor zwanzig Jahren steckte Israel in einer Wirtschaftskrise. Dank staatlicher Subventionen kostete in der sozialistischen Planwirtschaft Brot weniger als Getreide, der Staatshaushalt steckte in tiefen Schulden. Ein Witz aus den achtziger Jahren wollte die Probleme auf originelle Art lösen. Man solle den USA den Krieg erklären und sich erobern lassen, hieß es damals. Dann würde der Dollar übernommen und alle Probleme gelöst. Aber was, fragte der Witz, wenn man den Krieg gewinne? Wirtschaftlich scheint es heute fast, aber habe Israels Wirtschaftsmodel gewonnen.
In einem Jahrzehnt, in denen die USA und Europa von tiefen Wirtschaftskrisen befallen wurden, hat sich der israelische Markt trotz zweier Kriege und einer Intifada als eine der stabilsten Geldanlagen weltweit erwiesen, und ist noch dazu rentabel. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Bloomberg Businessweek krönte den israelischen Schekel zum „König der Währungen“. Der Kurs des NIS stieg in den vergangenen zwei Jahren beständig gegenüber fast jeder anderen Währung. Israelis haben den Wert ihres Schekels erkannt: Kaufte man früher Wohnungen in US-Dollars, werden Immobilien heute nur noch in NIS angeboten. Um den steigenden Kurs zu stemmen, kauft Israels Zentralbank monatlich Devisen, die Reserven wuchsen in den vergangenen zwei Jahren um rund 50% auf mehr als 64 Mrd US$. Trotzdem nimmt der Wert des Schekels immer weiter zu, unter anderem, weil die Staatsbank den Leitzins erhöht, um die Inflationsrate zwischen 1-3% zu halten. Investoren erhalten heute etwa 1,5% für staatliche Anleihen, die von Analysten als sehr sicher eingestuft werden.
Der Wirtschaft hat das bisher kaum geschadet „Israels Wirtschaft war die einzige der westlichen Welt, die im Jahr 2009 ein Wachstum von 0,7% verbuchen konnte“, sagt Esther Lebanon, Direktorin der Börse in Tel Aviv. Der Aktienindex Tel Aviv 25 stieg von Januar 2009 bis zum April um 82%, der DAX im selben Zeitraum nur um 22%. „Es ist keine Seifenblase, sondern eine langfristige Entwicklung: In den vergangenen zehn Jahren ist derselbe Index um 150% gestiegen, der DAX um 15%“, sagt Lebanon. Rund ein Viertel des Geldes, das nach Tel Aviv fließt, kommt inzwischen von ausländischen Investoren. Israels Börse war eine der ersten weltweit, die die Rekordkurse vor der letzten Krise wieder überholte.
„Die harten Reformen der letzten zehn Jahre haben Israel in eine hervorragende Ausgangsposition versetzt, um die jetzigen Krisen zu überwinden“, sagt Hagai Golan, Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Globes. „Israelische Banken haben sehr konservativ investiert, die hiesige Wirtschaft ist keinen Gefahren oder Katastrophen ausgesetzt“, sagt Golan. „Diese Leistung hat Israel vollbracht, obschon wir dazu gezwungen sind, mindestens 8% unseres Staatshaushalts in Verteidigung zu investieren“, gibt der ehemalige Finanzminister Dan Meridor im Gespräch mit unserer Zeitung zu bedenken. So war ganz Israel gestern mächtig stolz darauf, „in den exklusivsten Club der Welt“, so Premier Benjamin Netanjahu, aufgenommen zu werden.
Der Generalsekretär der OECD Angel Gurria zeigte sich besonders von Israels wissenschaftlichen Errungenschaften beeindruckt: „Israels Politik in Wissenschaft und Technik haben außerordentliche Ergebnisse auf Weltniveau erzielt“, sagt Gurria. Israel investiert mit 4,74% des BSP mehr in Forschung als jedes andere Mitglied der OECD. Auch in anderen Kriterien gehört Israel zu den Spitzenreitern des exklusiven Staatenclubs: Die Lebenserwartung ist mit 80,7 Jahren höher als in Deutschland oder Österreich. So verkündete Netanjahu bereits, sein Ziel sei es, Israel eine der 15 führenden Industrienationen der Welt zu machen.
Allerdings hat Israels rasante Entwicklung für einen Teil der Bevölkerung auch negative Konsequenzen: Die Unterschiede zwischen Armen und Reichen haben in dem einst egalitären Staat so sehr zugenommen, dass Israel heute weltweit auf Platz vier rangiert. Auch in Fragen Umweltschutz, so bekennt selbst die Regierung, muss Israel mehr investieren, um seinen Standard der OECD anzupassen.
Die Palästinenser zeigten sich von dem Entschluss der OECD enttäuscht. Sie hatten in letzter Minute versucht, Israels Aufnahme zu verhindern. Der Beschluss der OECD verleihe der illegalen israelischen Besatzung der Palästinenser einen Anstrich von Legitimität, monierte das Außenministerium auf seiner Webseite.
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