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Vogelparadies Israel -
Vogelparadies Israel

Rein statistisch gesehen hat jeder Israeli einen Vogel, oder genauer gesagt sogar mindestens 65. Denn zweimal im Jahr wird die einzige Landbrücke zwischen Asien, Europa und Afrika zur Wegstation von mehr als 500 Millionen Zugvögeln, die auf ihrem langen Weg hier Rast machen. Die schwarzen Wolken der Vogelscharen, die dann immer wieder die mediterrane Sonne verdecken, sind für manche ein Segen, für andere ein Albtraum.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Unklarer Weg -
Unklarer Weg

Ein Kommentar zum Jahrestag des Sturzs Husni Mubaraks.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Nicht mehr euphorisch -
Nicht mehr euphorisch

Vor einem Jahr war Ägypten euphorisch: Drei Faktoren hatten den Sturz von Präsident Husni Mubarak möglich gemacht. Die Armee hielt sich zurück, das Volk agierte geeint, und das Ausland stand hinter dem Volk. Ein Jahr später ist davon wenig übrig: Die Armee ist in weiten Kreisen verhasst, das Volk gespalten, die Spannungen mit den USA, Kairos wichtigstem westlichen Verbündeten, auf einem neuen Höhepunkt. Es gibt wenig Grund, zu feiern.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Suche nach Ausweg -
Suche nach Ausweg

Nach dem Doppelveto Russlands und Chinas sucht die Welt nach neuen diplomatischen Ansätzen für die Krise in Syrien. Dort nutzt Präsident Baschar Assad die Zeit für eine massive Offensive gegen die Opposition, die immer zerstrittener wird.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Nicht bloß Angst und Schrecken -
Nicht bloß Angst und Schrecken

Israelische Medien, Analysten und Politiker beschwörten bisher hauptsächlich die Gefahren herauf, die die Umwälzungen in der arabischen Welt mit sich bringen. Nun betonte ausgerechnet einer der pessimistischsten Minister die potentiell positiven Aspekte der Unruhen in Syrien. Ein Blick in den israelischen Kaffeesatz.

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Auf dem Weg zum Genozid -
Auf dem Weg zum Genozid

Das Veto Russlands und Chinas gegen eine Verurteilung Syriens im Weltsicherheitsrat hat eine Sache klargemacht: Die Demonstranten bleiben weiter auf sich selbst angewiesen. Im Gegensatz zu den Rebellen in Libyen, die von der NATO Deckung aus der Luft erhielten, werden sie vorerst keinen militärischen Schutz aus dem Ausland erhalten. So bleiben sie der Willkür ihres Herrschers ausgeliefert. Was das bedeutet, zeigte das blutige Massaker in Homs Samstagnacht. Die Opferzahlen werden zwar noch lange unbekannt bleiben, es ist aber bereits deutlich, dass hunderte Zivilisten im wahllosen Artilleriebeschuss der Armee ums Leben kamen. Leider weist vieles darauf hin, dass dies nur der Startschuss für den Beginn einer noch blutigeren Phase in Syriens Freiheitskampf war. Ein Kommentar

© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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Written by Gil Yaron   
Thursday, 21 October 2010

Ende oder Neuanfang?
 

 

Idan Ben Schaloms Dienstfahrzeug ist ein rostiges, klapperndes Fahrrad. Seine staubigen Schuhe und das zerknitterte Hemd, das er auch bei 40 Grad im Schatten halboffen über einem dicken weinroten T-Shirt trägt, lassen nicht erahnen, dass der wortkarge Israeli mit dem schüchternen Lächeln Teileigentümer eines Besitztums ist, das zig Millionen Euro wert ist. Ben Schalom ist Pressesprecher und einer der Verwalter des Kibbuz Deganiah B. Dieser Tage feiert Deganiah A, der erste Kibbuz der Welt, nebenan den hundertsten Jahrestag seiner Gründung, für Ben Schalom ein Grund zum Feiern. Aber wie viele der Genossen ist das Jubiläum auch Anlass, kritisch mit einer Bewegung Bilanz zu ziehen, die einst die Elite der Staatsführung stellte und heute zu einer Randerscheinung in Dauerkrise geworden ist: „Im Gegensatz zu dem, was oft behauptet wird, ist die Idee des Kibbuz nicht tot“, sagt Ben Schalom. „Aber wir sind erwachsen geworden, und viel hat sich verändert.“

Eine Mischung von Sozialismus und Zionismus trieb zehn junge Männer und zwei Frauen im Jahr 1910 dazu an, auf einem für teures Geld erstandenen sumpfigen Acker des arabischen Dorfes Beit Dschuni 1910 den ersten Kibbuz zu gründen. Sieben Jahre vor der Revolution im Zarenreich wollte man im rückschrittlichen Palästina die Utopie marxistischer Ideale verwirklichen. Die Kibbuzbewegung sah sich als ideologische Speerspitze, die dem Menschen eine bessere Zukunft bescheren sollte. Sie wollte einen „neuen Juden“ schaffen. Antireligiös und marxistisch, interpretierten die Kibbuzim ihr Judentum als Volkszugehörigkeit und predigten eine Religion der Arbeit. Nach 2000 Jahren Diaspora wollten die Kibbuzniks zur Scholle in ihrer biblischen Heimat zurückkehren. Der Arbeiter, auch der arabische, sollte befreit werden, und dazu schuf man die Kommune, in der den Einzelnen nicht einmal die Unterhose gehörte, die er anhatte: „Der Gemeinschaft alles, dem Individuum nichts“. Jeder sollte „nach seinen Fähigkeiten geben und nach seinen Bedürfnissen bekommen.“ Selbst die eigenen Kinder gehörten der Kommune und wurden im gemeinsamen Kinderhaus erzogen. Frauen waren gleichberechtigt, Jahrzehnte bevor sie in Europa das Wahlrecht erhielten. Die Versammlung fällte alle Entscheidungen.

Der Einfluss der Kibbuzim war enorm. Auf dem nahen Friedhof Kinneret, der am Rande der beiden Kibbuzim den See Genezareth überblickt, liegt ein Großteil der geistigen Elite Israels begraben. In den siebziger Jahren rekrutierte war ein Viertel der israelischen Regierung Mitglied eines Kibbuz. Viele der Premiers und Minister hatten zumindest für kurze Zeit in einem Kibbuz gelebt. Kibbuzniks führten die Ränge der Armee, und gründeten die Friedensbewegung. Führungspersönlichkeiten wie Verteidigungsminister Ehud Barak oder sein legendärer Vorgänger Mosche Dayan, Schriftsteller wie Amos Oz und Arthur Koestler, die Nationaldichterin Rahel oder die Komponistin Naomi Schemer – alle lebten zumindest zeitweise im Kibbuz.

Doch das ist Vergangenheit. In den achtziger Jahren, nach dem Machtverlust der Arbeiterpartei, kürzte der Staat die Zuwendungen, die Ideologie verblasste, junge Mitglieder suchten in der weiten Welt ihr Glück. „Nur drei Genossen aus meiner Klasse blieben in Deganiah“, sagt Ben Schalom. Die Bewegung stürzte in eine tiefe Krise, von der sie sich bis heute nicht erholt hat: „Früher hatten wir 420 Mitglieder, heute sind es nur noch 195, mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren.“ Deganiah fehlt die frühere Dynamik: „Seit dreißig Jahren wurde hier kein neues Haus gebaut“, sagt Ben Schalom, der mit seinen vier Kindern in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung wohnt.

Die Krise erzwang den Wandel im sozialistischen Paradies. Die Mehrheit der Kibbuzim führten harte Reformen durch, um Defizite zu regeln. Mitglieder bezahlen heute selbst für Strom, Wasser und Lebensmittel und erhalten Gehalt im Verhältnis zu ihrer Arbeit. Viele Kibbuzim begrenzen Einkommensunterschiede jedoch auf 25%, niemand darf verarmen. Im ersten Kuhstall von Deganiah B, in dem vor 80 Jahren egalitäre Milch produziert wurde, ist an eine Pralinenfabrik vermietet. Die verbleibenden Kuhställe und die Dattel- und Bananenplantagen, auf denen einst „hebräische Arbeit“ gepredigt wurde, beschäftigen dreizehn thailändische Gastarbeiter. Viele Kibbuzim haben der Landarbeit den Rücken gekehrt und errichteten stattdessen Fabriken und Hotels. Deganiah Silicone stellt medizinische Artikel her, beschäftigt 300 Angestellte, nur wenige davon Mitglieder des Kibbuz: „Ich habe fünf Stellen zu vergeben, aber kein Kibbuznik will arbeiten. Es geht ihnen auch so gut“, sagt Ben Schalom. Längst schlafen die Kinder bei ihren Eltern, der gemeinsame Speisesaal ist nur noch selten voll.

Die idyllische kommunale Lebensform mag sich stark verändert haben. Trotzdem wäre es für eine Grabesrede zu früh. Laut Angaben der Kibbuzbewegung sind in den vergangenen zwei Jahren 2500 neue Mitglieder beigetreten. Junge Israelis zieht der hohe Lebensstandard in die entlegenen, grünen Dörfer, in denen keine Autos fahren und Kinder und Hunde unbekümmert bis spät in die Nacht draußen spielen. Kibbuzim werden zu Immobilienkonzernen, auf deren Ländereien Villen für wohlhabende Yuppies entstehen, die ihre Kinder in die ausgezeichneten Kibbuzschulen und am Nachmittag auf die Kibbuzeigenen Sportplätze und Schwimmbäder schicken.

Doch in wohlhabenden Kibbuzim wie Deganiah ist es fast unmöglich geworden, Mitglied zu werden, aber weil Anwärter in schweren ideologischen Prüfungen durchfallen: „Uns Genossen gehört der Gesamtbesitz gemeinsam. Jeder, der hier aufgenommen würde, würde auf dem Papier sofort zum Multimillionär“, sagt Ben Schalom. „Das müssen wir uns erst einmal gut überlegen.“ Mit den sozialistischen Idealen der zwölf Pioniere hat das freilich nur noch wenig zu tun.

© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable

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© 2012 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable