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Der sicherste Flughafen der Welt
Die Einfahrt wirkt wie ein Hochsicherheitstrakt. Bis an die Zähne bewaffnete junge Männer und Frauen halten jeden Wagen an und wechseln freundlich ein paar Worte mit den Insassen der Fahrzeuge. „Guten Morgen, woher kommst Du?“, fragt ein junger Mann, dessen lächelnde Augen sich hinter einer Sonnenbrille verstecken. Eine fast vier Kilometer lange Autobahn schlängelt sich vom gut bewachten Eingang bis zum Terminal, wo andere Wächter jeden Besucher erneut mustern. Sie verschafft den Beamten im Falle eines Angriffes genug Reaktionszeit. Willkommen im Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv, dem sichersten Flughafen der Welt.
Für israelische Fluggesellschaften und den Flughafen in Tel Aviv ist die Bedrohung durch Terrorismus ein Teil ihres Alltags. Seit gut vierzig Jahren entwickeln die Israelis Methoden, um ihre zivile Luftfahrt zu schützen, bisher mit Erfolg. Noch nie wurde in einem Flugzeug, das in Ben Gurion startete, ein Attentat begangen. Nur ein Mal gelang es Terroristen, bis ins Flughafengebäude vorzudringen. Doch obschon man in Israel Sicherheit den Vorrang gibt, ist von der weltweiten Terrorangst im Terminal nichts zu spüren. Zwar sieht man Wächter, lange Warteschlangen und bedrückende Präsenz von Bewaffneten sucht man hier allerdings vergeblich. Flüssigkeiten können ohne Aufsehen mitgeführt werden, die meisten Fluggäste gelangen innerhalb weniger Minuten vom Schalter zum zollfreien Einkaufsbereich. „Die internationale Organisation ACI, deren Rangliste auf der Zufriedenheit der Passagiere beruht, hat unseren Flughafen zwei Jahre in Folge zum besten im Nahen Osten gekürt, weltweit sind wir in unserer Klasse auf Platz zwei“, brüstet sich die Sprecherin der Hafenbehörde Maayan Malchin.
Offizielle Sprecher verweigern jede Auskunft, wenn es um die besonderen Vorkehrungen in Ben Gurion geht. „Das Besondere ist unser Sicherheitskonzept“, sagt Rafi Sela, Präsident der Firma AR Challenges, die weltweit Unternehmen mit israelischem Know-How versorgt. „Der wichtigste Teil unserer Abwehr liegt im geheimdienstlichen Bereich. In mehr als 90% der Fälle wissen wir bereits im Vorfeld, ob jemand etwas plant“, sagt Sela. Laut Informationen, die unserer Zeitung aus Quellen im Geheimdienst zukamen, verfügt Israel über eine einzigartige Verknüpfung seiner Sicherheitsdienste. Polizei, Armee, Geheimdienste und Ministerien arbeiten alle mit derselben Datenbank. „Diese Information wird in Echtzeit an die relevanten Stellen weitergeleitet“, so die Quelle. Die Flughafensicherheit hat so rund um die Uhr Zugang zu allen Informationen, die sie betreffen. Dann agiert sie spezifisch.
„Was man im Westen macht ist völlig widersinnig“, sagt Sela. Es sei absurd, alle Passagiere zu durchsuchen. „Von mehr als 99% der Passagiere und Koffer geht keine Gefahr aus. Gefährlich sind die Terroristen“, sagt Sela. Deswegen müsse man die Spreu vom Weizen trennen. Israelis konzentrierten 90% ihrer Energie auf wenige Terroristen, während man in der Welt 90% der Energie verschwende. Die Praktiken an westlichen Flughäfen seien sogar gefährlich: „Die langen Warteschlangen sind für Terroristen ein gefundenes Fressen. Jeder kann in Europa in die Flughafengebäude. Bei den unkontrollierten Menschenmassen braucht man keine komplexe Bombe, um ein effektives Attentat zu verüben“, warnt Sela.
Bei ihrer Arbeit verlassen sich die schätzungsweise 2300 Sicherheitsbeamten des Flughafens in erster Linie auf menschlichen Kontakt. Sie sollen mit jedem Passagier kurz sprechen und dabei auf Außergewöhnliches achten: unlogische Antworten oder Verhaltensweisen, Anzeichen von Stress. Ist nichts verdächtig, kommt der Fluggast in Minuten vom Schalter zum Flugzeug. Erweckt er Verdacht, kann er manchmal Stunden in einem regelrechten Verhör verbringen.
Nur all zu oft wird dabei vor allem Arabern das Reisen nach Israel vergällt, denn sie werden ganz besonders penibel untersucht. „Wir betreiben kein Profiling und sind keine Rassisten“, wehrt sich Sela gegen einen häufigen Vorwurf. „Wir betreiben Verhaltensanalysen, um effizient zu sein. Natürlich ist nicht jeder Muslim ein Terrorist, aber die meisten Terroristen waren Islamisten. Deswegen untersuchen wir Muslime genauer, besonders, wenn uns geheimdienstliche Hinweise vorliegen.“
Israel verlässt sich nicht nur auf Intuition. Der High-Tech Staat setzt auf ausgefeilte Technologien, die oft hier entwickelt und erstmals eingesetzt werden. In der Kommandozentrale des Flughafens läuft die Information aus hunderten Stellen zusammen. „Wir wissen zu jedem gegebenen Zeitpunkt, wer sich wo befindet“, sagt Guy Zuri, Direktor der Sicherheitsabteilung der israelischen Exportbehörde. Ben Gurion hat nur zwei Einfahrten, jedes Nummernschild wird elektronisch erfasst. Das von einem elektronischen Zaun umgebene Areal wird mit mehr als 800 Videokameras überwacht. Angestellte erhalten einen biometrischen Ausweis. „Selbst die Schlüssel sind elektronisch kodiert: Jeder hat nur Zugang zu begrenzten Uhrzeiten zu bestimmten Bereichen Zugang“, sagt Zuri. Technologien erweitern den Umkreis, in dem für Sicherheit gesorgt wird. Elektro-optische Geräte erfassen jede Bewegung in weiter Entfernung. Die Bewegungen werden von Computern analysiert. Sind sie verdächtig, sendet das System eine Patrouille aus.
Neue Technologien aus Israel sollen schon in naher Zukunft Sicherheitsbeamte und Bodenpersonal an vielen Stellen überflüssig machen. Die Firma NEMESYSCO entwickelte eine Technologie, die anhand der Stimme Stress erkennen kann. CTRUE stellte bereits eine Gesichtserkennungssoftware auf den Markt. „Wir hoffen, in drei Jahren Maschinen einzusetzen, die 80% der Sicherheitschecks ersetzen und das lange Warten am Check-In und beim Borden annullieren“, sagt Zuri. Der Flughafen in Tel Aviv soll damit noch sicherer und bequemer werden.
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