|
Beide haben Recht - ein Kommentar
Die Aktivisten, die die israelische Blockade durchbrechen wollen, haben Recht. Dabei geht es nicht nur um den moralischen Standpunkt gegen die Geiselnahme der rund 1,7 Million Bewohner Gazas. Vielmehr führt sie die Idiotie der Belagerung vor Augen. Sie hat Israel weder Frieden noch Sicherheit beschert. Der Hamas mangelt es nicht an Raketen, die ohnehin nie aus Israel nach Gaza gelangten, sondern weiterhin aus dem Sinai eingeschmuggelt werden. Die Absperrung hat die Islamisten nicht geschwächt, im Gegenteil: Sie können sich jeder Verantwortung entziehen und Israel für Miseren schuld machen. Sie verdienen am Schmuggel, und je schlechter es Gaza geht, desto mehr Anhänger strömen zu den Extremisten. Dass die Hamas an der Blockade profitiert kann man allein daraus ersehen, dass sie die Übergänge immer wieder angreifen lässt, wenn sie zu lange offen sind und die Preise von Gütern in Gaza fallen.
Doch auch Israel hat mit seinen Vorwürfen gegen die Aktivisten Recht. Sie ignorieren die Menschenrechtsverbrechen der Hamas, die Todesstrafe und Folter wiedereingeführt hat, jede Opposition grausam unterdrückt, den Bewohner Gazas einen immer strengeren islamistischen Lebensstil aufzwingt und sie zum ewigen Krieg gegen Israel verdonnern will. Die Raketen, die die Islamisten auf Israels Zivilbevölkerung abschießen, kommen in der Welt der Aktivisten nicht vor. Der Umstand, dass sie sich nicht für die Grundrechte von Gilad Schalit, dem von der Hamas verschleppten israelischen Soldaten, dem seit vier Jahren jeder Kontakt zur Außenwelt verboten wird, einsetzen wollen, zeigt, wie selektiv ihre Weltanschauung ist. Menschenwürde steht als Grundrecht allen zu, den Palästinensern in Gaza, und den Israelis.
© 2010 Gil Yaron - Making the Middle East Understandable |